Grenzüberschreitende Innovationsprojekte für nachhaltige Entwicklung

INTERREG-Lenkungsausschuss beschließt drei neue Projekte in der euregio rhein-maas-nord. Am 20. Juni 2017 hat der INTERREG-Lenkungsausschuss in der euregio rhein-maas-nord drei innovative, deutsch-niederländische Projekte beschlossen, die in Kürze starten werden. Das Gesamtvolumen der drei Projekte beträgt zusammen gut 8,5 Millionen Euro, wovon die Hälfte aus EU-Mitteln beigesteuert wird. Thematisch sind die neuen Projekte breit gefächert:

Selbstreinigende Oberflächen

In „AutoProtect“ wollen Hightech-Unternehmen in den Bereichen Oberflächentechnologie und Hygiene gemeinsam mit dem Lead Partner wfk Cleaning Technology Institute e.V. aus Krefeld die Entwicklung selbstreinigender Oberflächen vorantreiben: Licht, Wärme und Druck können Auslöser sein, damit das Oberflächenmaterial eigenständig Mikroorganismen zerstört. Anwendungsmöglichkeiten gibt es beispielsweise in Gesundheit und Pflege, aber auch in Produktionsstätten für Medikamente, Kosmetika oder Lebensmittel. Auch umweltexponierte Oberflächen – egal ob an Fortbewegungsmitteln oder bei der Gewinnung alternativer Energien – können von selbstreinigenden Fähigkeiten profitieren und ihre Funktion so länger erhalten. Gleichzeitig wird die Umwelt weniger belastet, wenn dank solch innovativer Oberflächen auf Reinigungsmittel ganz oder teilweise verzichtet werden kann.

„Zweites Leben“ für Gemüsereste

Ziel des Projektes „BIVAC“ ist es, Reststoffe aus Bioströmen sinnvoll weiterzuverwenden, die bei der Weiterverarbeitung von Gemüse wie Weißkohl, Lauch oder Zuckerrüben anfallen. Bisher verbreitet ist vor allem die Nutzung in Biomasse-Kraftwerken zur Energiegewinnung. Stattdessen will das grenzüberschreitende Konsortium rund um den Lead Partner Phytowelt aus Nettetal nun neue Produktionsprozesse entwickeln, mit denen wertvolle Inhaltstoffe identifiziert und extrahiert werden können, um sie so beispielsweise in Futtermitteln und Nahrungs­ergänzungsmitteln zu nutzen. Angepasst werden müssen in dem Zusammenhang zudem die Logistik der Wertschöpfungsketten sowie die Automatisierung der Prozesse – und auch die potenziellen Geschäftsmodelle werden im Laufe des Projektes weiterentwickelt. Für eine erfolgreiche Umsetzung müssen zahlreiche Fragen beantwortet werden: Welcher Produzent verfügt wo gerade über Schälreste; welche Inhaltsstoffe kann man daraus gewinnen und für welches Produkt sind sie einsetzbar? Kurzum: Mit Hilfe von „BIVAC“ können Biomassereste zukünftig reduziert und hochwertig weitergenutzt werden.

Mitarbeiter fit machen für die Landwirtschaft 4.0

Die „Regional Skills Labs“ wollen (potenzielle) Mitarbeiter sowie Geschäftsführer der Agrarbranche auf die Herausforderungen durch die Digitalisierung vorbereiten. An fünf Veranstaltungsorten im Arbeitsgebiet der Euregios rhein-maas-nord und Rhein-Waal werden in den nächsten drei Jahren Fortbildungsmodule zu den Themen „Agrofood Management“, „Smart Chain“, „Smart Farming“, „Smart Horticulture“ und „Foodprocessing“ angeboten. Erklärtes Ziel des Projektes, das von der IMBSE GmbH aus Krefeld geleitet und auf deutscher Seite außerdem von Agrobusiness Niederrhein e.V. unterstützt wird: Direkte Unternehmensbeteiligung. Mindestens 200 agrarische Unternehmen, die sich von einem oder mehreren der Themen angesprochen fühlen, sollen motiviert werden, mitzumachen. In den Skills Labs werden konkrete Unternehmensanfragen beantwortet und neue Business Cases ausgearbeitet – so können die genauen Inhalte der Lehrmodule gemeinsam bedarfsorientiert gestaltet werden. Flankierende Maßnahmen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sollen neben den fachspezifischen Inhalten die Teilnehmer auch ermutigen, den Blick ins Nachbarland zu wagen – egal, ob man auf der Suche nach technischen Innovationen oder einem neuen Arbeitsplatz ist.

Projektbegleitung durch Regionales Programmmanagement

Begleitet werden die drei Projekte – ebenso wie zahlreiche andere – vom regionalen INTERREG-Programmmanagement der euregio rhein-maas-nord in Mönchengladbach. Für Unternehmen und andere Organisationen mit einer grenzüberschreitenden Projektidee stehen die Türen jederzeit für Beratungsgespräche offen. Nähere Informationen zur euregio und ihren diversen Aufgaben finden sich unter www.euregio-rmn.de

INTERREG-Förderung

Die drei neuen Projekte erhalten im Rahmen des INTERREG V A-Programms Deutschland-Nederland zusammen rund 4,25 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Weitere Kofinanzierung in Höhe von knapp 1,6 Mio. Euro kommt von den INTERREG-Partnern Wirtschaftsministerium NRW, niederländisches Wirtschaftsministerium sowie den Provinzen Limburg, Gelderland, Noord-Brabant, Overijssel sowie Groningen, die sich je nach Partnerverteilung in den Projekten in unterschiedlicher Höhe beteiligen. Umfangreiche Informationen zum Programm sind unter www.deutschland-nederland.eu verfügbar.