Agrobusiness: Berufsschüler und Hochschulstudenten gefragt

Das Agrobusiness ist nicht sexy genug für junge Leute, oder doch? Die Digitalisierung schreitet im grünen Bereich, in dem auch Logistik und Marketing immer wichtiger werden, voran. Der Klimawandel verlangt nach neuen Pflanzenarten und intelligenten Bewässerungssystemen. Berufsschüler und Hochschulstudenten sind hier gefragt. Auch der nachhaltige Endverbraucher wird immer kritischer. Ist der Fleischkonsum noch zeitgemäß? Sollen wir überhaupt noch Kaffee-to-go-Becher benutzen? Auf der Landesgartenschau gab uns Projektkoordinatorin Alexa Willems des deutsch-niederländischen INTERREG-Projekts „Regional Skills Labs“ ein Interview.


Was beinhaltet das deutsche-niederländische INTERREG-Projekt Regional Skills Labs im Klartext?

Im Projekt Regional Skills Labs stehen Unternehmerfragen mit Blick auf die verschiedenen Glieder der Wertschöpfungskette Agrobusiness im Mittelpunkt. Konkret geht es um Arbeitsprozesstechnologien im Themenfeld der Digitalisierung sowie um die benötigten Humanressourcen mit Blick auf diese Entwicklung. Ferner werden neue Produkte in unterschiedlich zusammengesetzten Arbeitsgruppen kreiert. In den insgesamt fünf Skills Labs bilden wir jeweils unterschiedliche Themen entlang der gesamten agrarischen Wertschöpfungskette ab. Mehr Infos dazu gibt es auf unserer Website http://regional-skills-labs.eu/.


Welche Themen des Projekts kommen bei den Besuchern der LaGa besonders gut an?

Das Interesse der LaGa-Besucher ist groß. Sie schätzen es, Einblicke in die Projektarbeit zu bekommen. Im Vordergrund stehen Fragen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sowie zu kulturellen Unterschieden. Des Weiteren richtet sich das Interesse auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft, die Entwicklung in Richtung der sogenannten Landwirtschaft 4.0 sowie Fragen zur Klimathematik. Unsere Litfaßsäule, die wir als Ideen- und Fragepool nutzen, erfreut sich großer Beliebtheit.


Welche technischen Innovationen im Agrobusiness oder Produktentwicklungen im Lebensmittelbereich sind aus diesem Projekt entstanden und wie erreichen diese den EU-Bürger?

Gerne möchte ich im Folgenden verschiedene Beispiele aus den unterschiedlichen Skills Labs geben:

Auf der Landesgartenschau präsentieren wir ein Schulungsmodul, in dem Unternehmen darüber informiert werden, wie sie sich attraktiv im Internet präsentieren können, denn attraktive Unternehmen finden leichter Mitarbeiter. Dass die Homepage und die Präsenz in den sozialen Medien erheblich zum Image eines Unternehmens beiträgt, bestätigt sich auch aus der Zusammenarbeit mit einigen Studenten der Fontys University of Applied Sciences in Venlo. Sie haben an Beispielen von Agrobusiness-Unternehmen Tipps und Hinweise für eine attraktive Online-Präsenz erarbeitet und hatten dabei insbesondere die Zielgruppe der potentiellen Arbeitnehmer im Blick.


Mit „Digital Chef“ wurde eine abwechslungsreiche digitale Lernumgebung im Lebensmittelsektor geschaffen, die intuitiv und benutzerfreundlich funktioniert. Sie verspricht höchste Lernwirkung durch vollständig optimiertes und interaktives Unterrichtsmaterial. Derzeit werden darin sieben Unterrichtsmodule berücksichtigt: Milchprodukte, Brot / Gebäck und Süßwaren, Fleisch / Fisch und Fleischersatz, Obst und Gemüse, Getränke, Mahlzeiten sowie Technologie und Wartung. In Rahmen einer Unternehmenskooperation wurden von Schülern/Studenten neue Vla-Varianten entwickelt, die kurz vor der Vermarktung stehen.


Im Zuge der Digitalisierung findet auch im Bereich der Ausbildung ein Wandel statt, so existieren bereits zahlreiche Varianten von Online-Berichtsheften (OBH), die Betrieben angeboten werden. Nur selten bekommen Unternehmen die Möglichkeit, sich diese neue Art der Berichtshefte detailliert anzuschauen, um dann zu entscheiden, welches denn eingesetzt werden kann. Unsere Workshops zielen darauf ab, den Teilnehmern einen genauen Überblick über das Online-Berichtsheft für GärtnerInnen des Zentralverbandes Gartenbau zu geben. Das Thema „Online-Berichtsheft“ hat große Wellen im Zentralverband des Gartenbaus geschlagen, sodass eine Kooperation mit dieser Institution zustande kam. Das Interesse am OBH ist deutschlandweit da, sodass die Workshops zukünftig auch in Form von Webinaren angeboten werden. Der Zentralverband hat zudem auch Interesse an einer Zusammenarbeit zum Thema Digitalisierung im Gartenbau signalisiert.


Im Rahmen der Projektarbeit wurde die Anwendung von OneNote auf den Gartenbaubereich spezialisiert: OneNote ist ein digitales Notizbuch, das dem Nutzer ermöglicht, sich zu organisieren, Ideen zu sammeln, Informationen zu teilen und noch vieles mehr. Mit OneNote lassen sich Dokumentationen zu unterschiedlichen Pflanzenkulturen erstellen, Verfahrensanweisungen zur Verfügung stellen, Angebote und Aufträge sowie Fotos aktueller Produkte können abgelegt werden. In Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen wurden Workshops zum Thema „OneNote im Gartenbau“ durchgeführt. Die Inhalte haben wir in Video-Tutorials umgewandelt und somit in Form von Blended Learning zur Verfügung gestellt.


Zu den Themen „Kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden“ und „Wie gut wissen Sie über Obst und Gemüse Bescheid?“ wurden Lern-Anwendungen im Quiz-Format entwickelt. Außerdem wurden einem breiten Publikum in zahlreichen Workshops innovative, technische Neuerungen zugänglich gemacht. Highlights waren u.a. die folgenden Veranstaltungen: Neuartiges Bewässerungssystem – Exaktgießwagen in der Praxis, Drohneneinsatz in Gartenbau und Landwirtschaft, Tiergesundheit im Fokus – Modernes Monitoring, Automatische Fütterung u.v.m.


Führt das Projekt auch zu einer nachhaltigen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen D und NL?

Wir stellen fest, dass jetzt ein guter Status erreicht ist, um die Ergebnisse weiter zu vertiefen und grenzüberschreitend auszubauen. Manche Themen, wie z.B. Pflanzenschutz, gestalten sich aufgrund unterschiedlicher Gesetzgebung nach wie vor schwierig. Im schulischen wie universitären Bereich sind grenzüberschreitende Kooperationen und Austauschmöglichkeiten sowohl auf Schüler-/Studierenden- als auch auf Dozentenebene etabliert worden.


Was war für Sie als Lead Partner dieses Projekts die größte Herausforderung im Projekt neben der Corona-Krise?

Saisonbedingt gestaltet sich die Einbindung von Unternehmen in deren Hochsaison schwierig. Unsere Aktivitäten mit Unternehmensbeteiligung konzentrieren sich auf die Zeiten außerhalb der Hochsaison.


Gärtnerin Dorothee Brelage-Hanka (links) und Alexa Willems auf der LaGa